Lichtwolke in St. Bernhard – Foto: Jürgen Heegmann

ÖKUMENISCHES STUNDENGEBET REGIONAL:
Vesper in St. Bernhard, Frankfurt am Main

 

Du sollst dich nicht immer und nie ganz
der äußeren Tätigkeit widmen,
sondern ein Quäntchen deiner Zeit
und deines Herzens
für die Selbstbesinnung zurückhalten.

Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153)

 

Unsere Zeit für die Ewigkeit öffnen, sich frei nehmen für Gott, für sich selbst und für andere – das tun Christen, wenn sie miteinander Stundengebet feiern. Vom Ursprung der Kirche an.  Stundengebet ist die Basis-Liturgie des Volkes Gottes – und damit eine Chance, die Einheit der Kirche schon heute zu leben und sie gemeinsam zu erbitten und zu fördern.

Am Samstag, dem 15. Oktober 2016, hatte die Regionalgruppe Rhein/Main nach St. Bernhard im Frankfurter Nordend zu einer ökumenischen Vesper eingeladen. Über 20 Frauen und Männer aus der Gemeinde und darüber hinaus kamen um 19 Uhr in die Kirche nahe beim Friedberger Platz und feierten miteinander einen Stundengebetsgottesdienst, der das Thema Mystik in den Mittelpunkt stellte. Neben die Lesung aus dem Hohenlied (3,1-5), einer zentralen Bibelstelle für die christliche Mystik, traten kurze Texte Bernhards von Clairvaux, des Kirchenpatrons, und Theresias von Ávila, deren Gedenktag der 15. Oktober ist.

Vorbereitend war in der Limburger Kirchenzeitung ein Kurzinterview mit Johannes Uphus erschienen (Der Sonntag vom 16.10.2016). 





Tage gelebter Liturgie 2016

Einfach beten

Einfachheit und leichte Zugänglichkeit von gottesdienstlichen Formen werden immer wieder und in allen kirchlichen Zusammenhängen gefordert. Auch dort, wo engagierte Laien Verantwortung für Andachten, Gebete und Gottesdienste übernehmen, sind elementare Formen gefragt, die leicht und ohne großen Aufwand zu realisieren sind.

Aber was verbirgt sich hinter dem Wunsch nach Einfachheit? Einfachheit ist das, was schwer zu machen ist. Einfachheit ist auch nicht einfach gegeben, sondern abhängig davon, wer sie empfindet. Groß ist das Bedürfnis nach Gottesdiensten und Gebetsformen, die einladend sind – auch für Menschen, die keine religiöse Bildung mitbringen. Wie aber kann Einfachheit geschehen, ohne dass Glaubensinhalte verkürzt oder auch in ihrem Anspruch und in ihrer Fremde verharmlost werden?

Auf der Tagung haben wir Entwürfe gesammelt und erkundet, kritisch befragt, das Wesen der Einfachheit und seiner Grenzen im Gottesdienst untersucht und neue Formen erprobt.

Eine Wanderung führte uns dieses Mal zum nahe gelegenen Kloster Neustadt, in dem wir liturgisch den Abschluss der Woche feierten und den Sonntag begrüßten.





Fenster aus dem Vaterunser-Zyklus in St. Johannes Enthauptung, Johannesberg. Foto: JBU

ÖKUMENISCHES STUNDENGEBET REGIONAL:
Pilgern im westlichen Spessart

Beeindruckende Kirchen, Wege, die der Seele gut tun – das verbindet man besonders mit den großen Pilgerwegen wie dem Camino de Santiago. Doch auch die nähere Umgebung hat oft spirituelle Kostbarkeiten zu bieten. Mit der Landschaft verbinden sie sich zu Räumen, die dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden. 

Am 11. Juni 2016 luden die Freunde des Ökumenischen Stundengebets Rhein/Main zum Wandern im westlichen Spessart ein – von Johannesberg auf der Höhe des Hahnenkamms hinunter über den Main zur Fachwerkstadt Seligenstadt.

Den Abschluss bildete eine ökumenische Vesper in St. Marien, die 2016 ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte.





Michaeliskirche Leipzig, Foto: Appaloosa

100. DEUTSCHER KATHOLIKENTAG
in Leipzig vom 25.-29. Mai 2016

 

Zum Jubiläums-Katholikentag in der Sachsenmetropole war die Initiative Ökumenisches Stundengebet zu Gast in der evangelischen Michaeliskirche am Nordplatz.

Von Donnerstag Abend bis Samstag Abend fanden zehn Tagzeitengottesdienste in der einzigartigen Jugendstilkirche statt. Daneben standen vier Workshops zur Praxis des Stundengebets auf dem Programm, und ein Café auf dem Vorplatz bot Gelegenheit, miteinander über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen.

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Tage gelebter Liturgie 2015

Liturgie und Politik

Im Gottesdienst bringen Christen die Wirklichkeit ihrer Welt vor Gott. Gebet und Gottesdienst durchdringen und durchleuchten auch politische Fragen. Immer wieder hat diese Erfahrung Christen in Krisenzeiten getragen und ihnen Orientierung gegeben.
Die kriegerischen Konflikte in der Ukraine oder in der arabischen Welt, die Auseinandersetzungen über den Umgang mit Ressourcen der Erde oder die Frage, wie Asylsuchenden und Einwanderern in unserer Gesellschaft begegnet werden soll – diese und andere politische Probleme bergen für Christen auch eine theologische Dimension.
Im Blick auf den Gottesdienst legt sich nahe zu fragen: Wie politisch sollen und dürfen Liturgie und Gebet sein? Welche Ausdrucksformen kann politisches Gebet annehmen? Wie sind begrenzte menschliche Einsicht und Transzendenz verbunden?
Unsere Jahrestagung 2015 ist diesen Fragen in Vorträgen, Werkstätten und Gesprächen nachgegangen. Wie stets haben die Tagzeitengebete ein Klima geschaffen, in dem lebendiger Austausch und fruchtbare Diskussionen gedeihen konnten.

Wie schon 2014 war die Exkursion ein besonderes Highlight, sie führte uns diesmal ins nahe Kloster Triefenstein. Dort hatten wir Gelegenheit, die Christusträger-Bruderschaft kennenzulernen, eine evangelische Gemeinschaft, die seit 1986 im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift ihren Sitz hat und u.a. in Afghanistan und Kongo diakonisch tätig ist. Beeindruckend war das in seiner Schlichtheit ausgesprochen dichte Vespergebet, in dem das allgemeine Fürbittgebet bedeutenden Raum einnahm, und die in viel Eigenarbeit geleistete Renovierung der alten Klostergebäude, in denen es viel Raum für Gäste gibt.

In der Mitgliederversammlung unseres Vereins "Ökumenisches Stundengebet e.V." hatten wir mit der Arbeit an den anstehenden Aufgaben gut zu tun. Unsere Gespräche u.a. über die geplante Förderung des Stundengebets in den Regionen, die bevorstehende Präsenz beim Leipziger Katholikentag 2016 sowie unser Engagement zum Reformationsjubiläum 2017 haben volle drei Stunden in Anspruch genommen - ein Zeichen, dass sich was tut.





Leonhardskirche Stuttgart, Foto: MSeses

3.-7. Juni 2015: Evangelischer Kirchentag in Stuttgart

Fünf Jahre nach unserm ersten Gottesdienstzyklus beim Ökumenischen Kirchentag in München war es so weit:

Das Ökumenische Stundengebet hat sich erstmalig auf einem Evangelischen Kirchentag präsentiert.

Unter dem Leitwort "damit wir klug werden" (Ps 90,12) befasste sich der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 3.-7. Juni 2015 mit der zentralen Frage, wie es angesichts menschlicher Endlichkeit gelingen kann, das eigene Leben klug zu leben.

Einen wegweisenden Impuls gibt dabei die Überzeugung, dass der Glaube an Gott zur Quelle der Klugheit werden kann; so jedenfalls legt es der 90. Psalm nahe.

Unter diesem Gesichtspunkt wollte das Ökumenische Stundengebet dazu beitragen, dass die Teilnehmenden ihre persönliche Gottesbeziehung vertiefen und zugleich in einer lebendigen Gemeinschaft fruchtbar machen können.

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Vereinsgründung am 4. Oktober 2014

Am Samstag, dem 4. Oktober 2014, haben 43 Gründungsmitglieder im Rittersaal von Burg Rothenfels den Verein Ökumenisches Stundengebet gegründet und den ersten Vorstand gewählt. Nun muss der Verein noch beim Vereinsregister angemeldet werden. 

 

Pressemitteilung zur Vereinsgründung

MITEINANDER BETEN UND SINGEN – GEMEINSAM KIRCHE SEIN
Neu gegründeter Verein will gemeinsame christliche Identität durch konfessionsverbindende Tagzeitengottesdienste fördern


Rothenfels. Am 4. Oktober 2014 wurde im Rittersaal von Burg Rothenfels am Main der Verein „Ökumenisches Stundengebet“ feierlich gegründet. Er geht aus einer Initiative katholischer und evangelischer Christen hervor, die sich seit Herbst 2008 regelmäßig trifft, um miteinander Stundengebet zu feiern und sich darüber auszutauschen. Die stetig wachsende Nachfrage nach ökumenischen Gebetsformen und nach Liturgien für das Stundengebet hat die Initiatoren des Netzwerks bewogen, ihrer Arbeit eine institutionelle Struktur zu geben.

Achim Budde, Bildungsreferent auf Burg Rothenfels, begrüßte die Gründungsversammlung mit einem Hinweis auf die Geschichte des Rittersaals. Dort hatten in den 1920er Jahren Romano Guardini und die Liturgische Bewegung prägende Kraft auf die gesamte Kirche ausgeübt. Seitdem weise dieser Raum, so Budde, als „Experimentierkirche“ in die Zukunft, und so liege es nahe, gerade hier den Verein „Ökumenisches Stundengebet e. V.“ zu gründen. „Seit ihren Anfängen hat die Initiative Ökumenisches Stundengebet Menschen aus dem deutschen Sprachraum zusammengebracht, die das Stundengebet in ihren Kirchen üben und es für die Einheit der Christen fruchtbar machen wollen“, fasste Budde das Anliegen der Initiative zusammen. „Dabei bleiben wir nicht bei ökumenischer Gastfreundschaft stehen. Vielmehr haben wir hier eine gemeinsame liturgische Identität entwickelt, dank derer wir nicht mehr zwischen Gast und Gastgeber unterscheiden müssen: Im Stundengebet können wir heute schon gemeinsam Kirche, gemeinsam Leib Christi sein.“

Dem ersten Vorstand des neugegründeten Vereins gehören neben Dr. Budde vier weitere Mitglieder an. Maria Gondolf aus Swisttal, Bildungsreferentin beim Forum Hochschule und Kirche e. V., engagiert sich seit 2004 im Bonner Mittagsgebet an der Münsterbasilika und im Bonner Abendlob in der altkatholischen Namen-Jesu-Kirche. Jens Jacobi, Pfarrer der evangelischen Melanchthon-Gemeinde Berlin-Spandau, betet seit vier Jahren mit kirchenfernen Menschen das Abendgebet „In den Himmel feiern“. Dr. med. Birgit Strehler-Wurch ist Palliativmedizinerin in Bamberg. Sie hat das ökumenische Stundengebet auf Burg Rothenfels von der ersten Stunde an begleitet und die bisherigen Projekte auf Kirchen- und Katholikentagen wesentlich mitgetragen. Philip Ziller besucht Klasse 11 des Gymnasiums bei St. Stephan in Augsburg und gehört zu den Jugendlichen, die jede Woche ihre eigenen Schülergebete feiern.

Neben der zunächst notwendigen Anmeldung des Vereins wird es dem Vorstand darum gehen, die Vereinsarbeit zu strukturieren und zu koordinieren. Vor allem hat sich der Vorstand zum Ziel gesetzt, den bestehenden Fundus an Gottesdienstmaterialien zu erweitern und interessierten Projektträgern zugänglich zu machen. Ferner soll der Verein zum Ansprechpartner für Gemeinden und Gruppen werden, um maßgeschneiderte Gottesdienstformen für ein Stundengebet zu entwickeln und im konkreten Rahmen vor Ort zu etablieren.

Zu den ersten Gründungsmitgliedern des Vereins gehört neben Philip Ziller auch der Senior der Initiative, Walter Ruf (82). Seit über 20 Jahren trägt er die Verantwortung für das Stundengebet in Vogtsburg im Kaiserstuhl. Die katholischen und evangelischen Gemeinden seiner Heimatstadt feiern gemeinsam Stundengebet und sind ebenfalls Gründungsmitglieder des Vereins geworden. Miriam Penkhues ist Leiterin der Pilgerstelle im Bistum Limburg. Sie hat mit Kollegen ein Mitarbeitergebet begonnen. Christine Jahn ist als Oberkirchenrätin der VELKD unter anderem für die liturgische Arbeit der lutherischen Kirchen in Deutschland verantwortlich.

Unter den insgesamt 43 Mitgliedern der ersten Stunde finden sich auch einige Institutionen: das Deutsche Liturgische Institut (Trier), die Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels und das Ökumenische Bildungszentrum sanctclara (Mannheim), die Evangelische Schwesternschaft Ordo Pacis, das evangelische Kloster Mariensee (bei Hannover) und der Evangelische Konvent des Klosters Heilsbronn, die Evangelische Melanchthongemeinde Berlin und die Kirchengemeinden in Vogtsburg im Kaiserstuhl.

 

Fotos von der Vereinsgründung

Der erste Vorstand:

Jens Jacobi, Maria Gondolf, Birgit Strehler-Wurch, Achim Budde, Philip Ziller

(von links, Foto: Andreas Fuhrmann)

Die vier ersten Gründungsmitglieder:

Philip Ziller, Christine Jahn, Miriam Penkhues, Walter Ruf

(von links, Foto: Andreas Fuhrmann)

Gründungsversammlung im Rittersaal von Burg Rothenfels

(Foto: Andreas Fuhrmann)

 

 

 

 

Tage gelebter Liturgie 2014

Liturgische Identität ohne Abgrenzung?

Sosehr sich in der Liturgie der Aufbau von Gemeinde ereignet, sosehr gehen mit dem Gottesdienst seit den Anfängen des Christentums auch Abgrenzungstendenzen einher. Richteten sich solche Bestrebungen in der Alten Kirche zunächst nach außen gegen die Ungetauften, errichteten bald auch jene, die sich zum Gott Jesu Christi bekannten, Grenzen untereinander. Wie passt das zur Frohbotschaft Jesu von Nazaret, die Grenzen überschritt und sich gerade an Menschen am Rande richtete? Wie gehen wir heute mit konfessionellen Identitäten und Ordnungen um? Kann heute eine überkonfessionelle, gesamtchristliche liturgische Identität wachsen?

In den "Tagen gelebter Liturgie" vom 1.-5. Oktober 2014 haben wir uns denkend, experimentierend und feiernd hineinbegeben in diese Fragen, die für unsere Gemeinden vielerorts brennend sind.

Erstmalig unternahmen wir dieses Jahr eine Exkursion zur Wehrkirche in Urphar, ein besonderer Ort, in dem die Vesper dank der Kraft und Würde des Jahrhunderte alten Bauwerks zu einem außerordentlich dichten Erlebnis wurde.

Der feierliche Festakt zur Vereinsgründung "Ökumenisches Stundengebet e.V." bildete den Höhepunkt unserer Tagung.